Mittwoch, 2. September 2015

Leichter Aufwärtstrend

Meine Strategie der Hoffnungslosigkeit scheint sich zu bewähren. Ich komme viel besser mit dem CFS Leben klar. Meist kann ich Tiefs viel besser vorbeiziehen lassen. Ich versuche sie nicht zu beachten mit einer Mir-Doch-Egal-Einstellung. Soll der Körper doch Symptome produzieren: mir doch egal. Es ist schwierig wenn die Krankheit schon so lange dauert, aus dem Loop auszubrechen, man wird ängstlich und ist Non-Stop auf der Lauer. Aber es ist nun an der Zeit, dass ich mich von dieser Krankheit verabschiede. Diese Konditionierung auf die Symptome ist wirklich ein Elend. Es scheint mir, dass ich mir die im Anfangsstadium der Erkrankung angeeignet habe und nun nicht mehr überwinden kann als hätte sie sich tief im Gehirn eingegraben. An schlechten Tagen kreisen meine Gedanken in einer Endlosschlaufe um CFS es ist mir dann fast unmöglich, mich davon zu distanzieren. Da hilft es mir am besten, die Kopfhörer aufzusetzen und die Musik so laut einzustellen, dass ich meine eigenen Gedanken nicht mehr hören kann ;-)

Das Gupta Programm mache ich nicht mehr ganz so sehr eifrig. Geholfen hat es mir sehr, ohne das Retraining wäre ich nicht da wo ich bin. Ganz viel was Ashok Gupta sagt macht Sinn & Mut. Unter anderem auch, dass es nichts bringt, jedes einzelne Symptom zu bekämpfen. Hat sich das Nervensystem erst mal beruhigt, gehen die Beschwerden nach und nach von selbst weg. Bei mir sind das: keine geschwollenen Lymphknoten mehr, der Puls hat sich beruhigt und bewegt sich in normalem Rahmen,  die Migräneattacken sind selten, das Grippegefühl ist verschwunden, die Muskelschmerzen sind weg, sogar die Müdigkeit ist etwas besser geworden.

Langsam versuche ich, meine Kondition wieder aufzubauen. Seit Kurzem kann ich wieder 1 Stunde spazieren gehen oder Fahrrad fahren. Es hat viele Anläufe gebraucht. Ich musste wieder lernen, mir das zuzutrauen ohne dass meine Beine schon beim Gedanken daran schwach wurden. Im Nachhinein würde ich mir mit dem Training viel länger Zeit lassen. Ich hatte immer das Gefühl, ein paar Kilometer kann doch jeder gehen und hab mich dazu gezwungen - dadurch hab ich grosse Rückschläge provoziert. Dr. Sarah Myhill, Pattern of recovery beschreibt sehr schön, wann man was tun oder besser lassen sollte. ABER vor allem nie, nie aufgeben. Was an einem Tag nicht geht, ist am nächsten möglich. Einfach immer wieder probieren, die Grenzen ausloten und sich kleine Ziele stecken. Ich denke, es geht nur aufwärts, wenn wir uns bewegen, Neues wagen und geduldig sind mit uns.

Herzlich,
Christine

Couch-Potato

An alle Couch Potatoes und Bewegungsmuffel. Ich wünsche euch einen Tag mit CFS und ihr würdet es unglaublich schätzen, dass ihr einen Körper...